Unsere Senior Projektmanagerin Lunia Hara präsentierte ihre Geschichte als Rednerin beim JobSlam im Rahmen der 7. STICKS&STONES Karrieremesse. Zusammen mit neun weiteren erfolgreichen „Global Talents“, die alle einen Migrationshintergrund haben, erzählte sie von ihrer Heimat Sambia, den ersten Eindrücken von Deutschland und ihrem Berufsalltag bei uns.

Auch nach den Präsentationen – bei denen jährlich über 100 namhafte Arbeitgeber wie Adidas, IKEA und McKinsey & Company vertreten sind – war das Interesse des Publikums groß und es gab allerhand Fragen. Wir haben bei Lunia nachgehakt, wie sie den Tag erlebt hat:

Julia: Hallo Lunia. Herzlichen Dank, dass wir bei deiner interessanten Präsentation am Samstag dabei sein konnten. Hast du schon einmal einen Vortrag über deinen Lebensweg gehalten?

Lunia: Vielen Dank! Das freut mich zu hören. Im Business-Kontext habe ich eine solche Präsentation noch nicht gehalten. Das war für mich eine Premiere.

Julia: Wie hast du dich dabei gefühlt?

Lunia: Die Vorbereitung für die Präsentation war eine tolle Erfahrung und Herausforderung zugleich: Zum einen die Pecha-Kucha Methode, die exakt 20 Folien à 20 Sekunden für die gesamte Präsentation abverlangt. Zum anderen die Auseinandersetzung mit meiner Vergangenheit und Errungenschaften, die ich mir selbst erarbeitet habe. Mir ist jetzt noch bewusster, dass ich stolz darauf sein kann, was ich trotz diverser Hindernisse erreicht habe. Ich habe mir mental auf die Schulter geklopft (lacht).

 

 

Julia: Wie war es denn für dich über deine Heimat und deinen Weg nach Deutschland zu sprechen?

Lunia: Ich wurde tatsächlich sehr emotional und es hat mich bewegt. Ich lebe sonst im Hier und Jetzt und habe mir angewöhnt, stets nach vorne zu schauen. Dabei vergisst man leider auch manches aus der Vergangenheit, wie es eigentlich war – besonders die Probleme, an die ich mich in diesem Kontext wieder zurückerinnert habe.

Julia: Wie stehst du zu deiner Heimat? Bist du noch oft da?

Lunia: Ja, meine Eltern leben noch dort und ich fliege jedes Jahr nach Sambia. Es ist mir auch sehr wichtig, dass meine Kinder sehen, wo ein Teil ihrer Wurzeln ist.

Julia: Hattest du die Möglichkeit, die anderen Redner kennenzulernen?

Lunia: Ja, im Anschluss an die Präsentationen haben wir noch etwas zusammen gegessen und getrunken. Dabei haben wir einige Parallelen entdeckt.

Julia: Und welche waren das?

Lunia: Rus Vorobyev hat sich in seiner Präsentation damit beschäftigt, was im Leben „wirklich“ wichtig ist. Der coole Job in einer renommierten Agentur? Familie, Freizeit, Hobbies usw.? Ich denke, das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Julia: Im Anschluss an die Vorträge gab es noch eine Fragerunde mit dem Plenum. Worüber habt ihr hier gesprochen?

Lunia: Ich war vorher unsicher, ob ich das Thema Familienplanung und Beruf aufnehmen sollte. Und genau das kam gut an und wurde gelobt. Das hat mich natürlich gefreut.

Julia: Wurden dir auch noch Fragen gestellt?

Lunia: Ja, und zwar wie man im Job mit Niederlagen umgeht.

Julia: Und wie gehst du damit um? Oder hattest du noch nie eine?

Lunia: Doch, doch. Niederlagen sind nie schön. Wichtig ist, welche Perspektive man bei der Rückbetrachtung einnimmt. Ich versuche, aus einer Niederlage immer ein Learning für mich selbst zu ziehen. Und manchmal muss man sich auch eigene Fehler eingestehen und es akzeptieren. Oft hat sich nach einer Niederlage auch etwas Positives und Besseres ergeben. In meinem Vortrag habe ich auch über das Auf und Ab im Leben gesprochen. Das es jeder im Leben hat. Wichtig ist dabei, Vertrauen zu haben, dass wenn man etwas tut, es irgendwann wieder aufwärts geht. Das hat man selbst in der Hand.

Julia: Seine Karriere hat also jeder selbst in der Hand. Inwiefern sind denn solche Veranstaltungen wie der JobSlam sinnvoll?

Lunia: Ich finde solche Events sehr sinnvoll, sonst hätte ich nicht mitgemacht. Aufgrund meines Lebenslaufs wurde ich als Rednerin von einer Bekannten empfohlen. Jetzt, wo viele Flüchtlinge ohne Eltern nach Deutschland kommen, sehe ich einige Parallelen zu meiner eigenen Biografie. Ich kam damals mit zehn Jahren im tiefsten Winter von Sambia nach Berlin, wo ich bei meiner älteren Schwester eingezogen bin. Ich war ganz auf mich alleine gestellt – keine Eltern, keine Vorbilder oder Mentoren, die gesagt haben „Mach das so“. Ich habe Schlager von Roland Kaiser gehört und mitgesungen, um Deutsch zu lernen. Mein Lebensweg hat sich also durch „learning by doing“ ergeben – klar, wenn ich zurückblicke, hat das super geklappt. Aber vielleicht hätte ich mit etwas Unterstützung einen ganz anderen Lebensweg eingeschlagen, oder es wäre zumindest etwas einfacher gewesen.

Julia: Also hast du mitgemacht, um für andere eine Inspiration zu sein?

Lunia: Ja. Ich glaube, dass es für Andere mit ähnlichem Hintergrund inspirierend sein kann. Aber allgemein erzählt meine bisherige Geschichte doch nur, dass man trotz widriger Umstände seine Ziele erreichen kann, indem man vielleicht Umwege in Kauf nimmt und sich nicht aufhalten lässt.

Julia: Dein Lebensweg ist auf jeden Fall sehr bemerkenswert! Vielen Dank, dass du ihn beim JobSlam präsentiert hast!

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