Disruptive Technologien, Globalisierung und Big Data – das digitale Zeitalter schafft durch Innovationen neue Möglichkeiten für die Gesellschaft und Wirtschaft. Doch wie verändert sich dadurch unser Leben? Um diese Frage drehte sich der TEDxSalon am 8. November in Berlin.

„TED: Ideas worth spreading“

Die Veranstaltungsreihe TEDx findet mehrmals im Jahr in verschiedenen Städten auf der ganzen Welt statt. Ziel ist es, in verschiedenen Communities ein ähnliches Event wie die TED-Konferenz zu etablieren, um sich über Themen und Ideen auszutauschen. Dieses Mal trafen sich etwa hundert Interessierte zum Thema „Leading in the Digital Age“.

„Leading in the Digital Age“

Im digitalen Zeitalter verschwimmen dank digitaler Technologie und Social Media die hierarchischen Strukturen: Jeder kann seine Meinung äußern. Jeder kann führen – nicht nur das Wort oder Menschen, sondern auch intelligente Algorithmen und künstliche Intelligenz. Damit gehen viele Möglichkeiten einher, die jeden betreffen, der sich im digitalen Umfeld bewegt. Aus verschiedenen Perspektiven referierten neun Redner in je 20-Minuten-Slots über ihre Erfahrungen im digitalen Zeitalter. Folgende Fragen griffen sie dabei auf:

Wie müssen Organisationen und Unternehmen strukturiert sein, um Mitarbeiter zu fördern und Erfolg zu haben?

In ihrer Präsentation „New Work needs Inner Work“ erzählte die Autorin und Mitgründerin von betterplace.org Joana Breidenbach von ihren eigenen Erfahrungen mit experimentellen Unternehmensstrukturen. Dort kann jeder Mitarbeiter Entscheidungen treffen und neue Rollen wie „der Überblicker“ einnehmen. Damit geht ein innerer Wandel einher: „Shifting from fixed to agile. Shifting from hierachies to networks.“ So gilt es, stets die Waage zwischen „Belonging Safety“ und „Becoming Risk“ zu halten. Hierfür muss man nicht nur sich selbst kennen, sondern sich auch in andere hineinversetzen können und die Welt aus den Augen eines anderen sehen. Dadurch kann das Projektmanagement frei planen und das Unternehmen eine offene Feedbackkultur leben. Das Resultat: Der Arbeiter wird zum Mitarbeiter und kann sein Maximum an Potenzial und Kreativität ausschöpfen. Was einfach klingt, ist laut Breidenbach mit einigen Herausforderungen verbunden. Ein solcher Ansatz verursacht hohe Kosten und ist nicht für jeden Mitarbeiter geeignet.

Peter Bostelmann hat für das Unternehmen SAP ebenfalls einen neuen Ansatz etabliert, der die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter steigert: „Mindful Leadership“. Hierbei handelt es sich um eine Art Bewusstseinstraining für Manager, bei der man sich auf sich selbst und seine Umgebung konzentriert: „Be present on a very moment.“

In seiner Präsentation „From leading to learning“ zeigte Markus Witte von Babbel auf, was Führungskräfte und Lehrer gemeinsam haben: Sie motivieren, inspirieren und unterstützen Menschen dabei, ihre Ziele zu erreichen und zu wachsen. Eine gute Führungskraft sollte jedoch nicht nur Lehrer, sondern auch Lernender sein. Wichtig ist es, sich in die Perspektive anderer hineinzuversetzen und von ihnen zu lernen.

Welche digitalen Lösungen lassen sich auch in unseren Alltag etablieren?

Beeindruckend war auch der sprechende Roboter WALIS, den Annika Grosse von IBM, unter „Leading into a Cognitive Era“ vorstellte. Diese nicht künstliche, sondern augmented intelligence ist eine cognitive journey, und zwar für Mensch und Maschine gleichermaßen. Was als kleines Experiment bei einem Hackathon in Hamburg begann, könnte künftig dem Mangel an Pflegekräften für Alzheimer-Patienten entgegenwirken. Dieser digitale Wandel eröffnet Führungskräften und ihren Unternehmen ganz neue Chancen und Herausforderungen.

Wie nutze ich die Möglichkeiten der Digitalisierung richtig?

Tim Leberecht sprach in seinem Vortrag „4 ways to build a human company in the age of machines“ darüber, dass in Unternehmen im digitalen Zeitalter die Menschlichkeit nicht zu kurz kommen darf und ruft auf zu: „Do the unnecessary. Create intimacy. Be ugly. Remain incomplete.“

William Binney, ehemaliger NSA Offizier, machte in seinem Vortrag „An effective alternative to mass surveillance“ auf einen wichtigen Widerspruch im Zusammenhang mit der Sammlung digitaler Daten aufmerksam: Die Regierung sammelt Massen von digitalen Daten, um uns vor Gefahren zu schützen, doch die Gefahr des Terrors ist größer denn je. Stattdessen fordert er die zielgerichtete Datensammlung.

Welche Gefahren gehen mit dem digitalen Wandel einher?

Besonders emotional waren die Vorträge „Political leadership in times of digital populism“ des Rechtwissenschaftlers Lawrence Lessig und „Organised Love“ der Bloggerin Kübra Gümüsay. Beide Redner setzen sich hingebungsvoll dafür ein, Missstände im digitalen Zeitalter aufzudecken. Lessig erinnerte dabei an Aaron Swartz, der sich für den freien Zugang zu wissenschaftlichen Informationen und gegen die Gesetzesvorschläge SOPA und PIPA einsetzte. Dabei ging Lessig auf die Merkmale des digitalen Populismus ein: „You share what connects with who you are at a certain time.“ Die Basis für Demokratie ist für ihn der kompetente Umgang mit verschiedenen Medien.

Dagegen berichtete Gümüsay, wie sie in ihrem Blog über den mittels Social Media organisierten Hass gegen Minderheiten aufklärt. Denn jeder hat die Macht zu entscheiden, wie er auf etwas reagiert: „Embrace the narrative of love, and create a beautiful mess.“

An diesen Vorträgen wurde deutlich, welche Verantwortung mit der Führung im digitalen Zeitalter einhergeht – und welchen Herausforderungen wir begegnen.

Unser Fazit

Der TEDxSalon in Berlin befasste sich mit verschiedenen Aspekten des digitalen Wandels und verschaffte uns neue, interdisziplinäre Einblicke in das digitale Zeitalter – fernab der eigenen Erfahrungen. Neben der inhaltlichen Diversität sorgte die Mischung aus Live-Präsentationen und TED Talk Videos in den zwei Sessions für ausreichend Abwechslung. So blicken wir begeistert auf das Event zurück und sind zugleich gespannt auf die Zukunft: Welche weiteren Entwicklungen wird es in der digitalen Branche geben und welchen Mehrwert bringen sie uns?