Agile Projektmanagement-Methoden wie Scrum sind in vielen Unternehmen und Agenturen nicht mehr wegzudenken. Doch was in der Theorie oft einfach klingt, lässt sich in der Praxis nicht ganz so einfach umsetzen. Und dann heißt es ‚Iterieren‘, und zwar nicht nur das Projektergebnis selbst, sondern vor allem auch den dafür notwendigen Arbeitsprozess. Wie genau gehen wir bei NOLTE&LAUTH mit Herausforderungen durch Scrum um?

Jedes Projekt birgt ganz eigene Schwerpunkte und Ansprüche. Heruntergebrochen auf User Stories durchlaufen die Projekte unserer Kunden im operativen Projektgeschehen oftmals folgende Tasks: Analyse & Research, Konzept & Design, technische Umsetzung. Dafür werden Fachexperten eingesetzt, die auf ein bestimmtes Leistungsportfolio spezialisiert sind. Diese Tasks bauen teilweise aufeinander auf und lassen sich nicht komplett parallelisieren. Deshalb erweist sich die Umsetzung innerhalb eines Drei-Wochen-Sprints als schwierig. Die Scrum-Methodik berücksichtigt diese Gegebenheit nicht. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass die Sprint-Ergebnisse gemeinsam durch das Entwicklungsteam erarbeitet und umgesetzt werden. An dieser Stelle klaffen in unserem Projekt Theorie und Praxis erstmalig auseinander.

Aufgabenverlagerung – eine vorteilhafte Variante

In unseren Projekten hat sich bewährt, die Phasen Analyse & Research sowie Konzeption & Design aus dem aktuellen Sprint herauszulösen und damit bereits im Vorgänger-Sprint zu beginnen. So bildet nur die technische Umsetzung das Kern-DEV-Team ab und führt seine Arbeiten innerhalb des Sprints durch. Vorteil dieser Variante ist, dass für die Planung des aktuellen Sprints bereits ein erster Konzeptansatz vorliegt, der als Orientierung dienen kann.

Frühzeitiges Stakeholder Management als Schlüssel zum Erfolg

Schon während der Erstellung der User Stories lohnt sich zu prüfen, welche „projektfremden“ Stakeholder für die Bearbeitung einer Epic oder User Story herangezogen werden sollen, um weitere Insights und Synergien zu identifizieren. Diese Stakeholder sollten rechtzeitig in die für sie relevanten Sprints, wie u. a. der Anforderungsaufnahme und dem Review der Sprintergebnisse, eingebunden werden. Bevor die Konzeption startet, führen wir in unseren Projekten einen Workshop zur Sprint-Vorbereitung mit allen Stakeholdern durch. Hier können der Product Owner und weitere relevante Stakeholder die aktuelle Situation und deren Pain Points beschreiben.

Erfolgreiche Reviews mit User Testing

In der Scrum-Methode wird das User Testing als Teil des Reviews verstanden, das heißt es werden Endnutzer herangezogen, die das Sprintergebnis betrachten. Sofern das User Testing aber als qualitative Interview-Befragung durchgeführt werden soll, sollte das Testing vor dem Review stattfinden, damit die Ergebnisse in das Review miteinfließen können. Schwieriger wird es bei der Durchführung von quantitativen User Testings, da deren Durchführung mehr Zeit in Anspruch nimmt. In diesem Fall bietet es sich an, diese Testings aus dem Sprint herauszulösen und parallel zu den Sprints laufen zu lassen. Die Ergebnisse aus den Testings werden anschließend mit dem Product Owner besprochen und sich daraus ergebende User Stories im Backlog ergänzt.

Chancen und Herausforderungen durch Scrum

Das Wichtigste an Scrum ist die Kommunikation im Team, vor allem zwischen den verschiedenen Disziplinen: Konzepter, Designer und Entwickler müssen eng miteinander arbeiten. Jeder sollte wissen, womit die anderen Teammitglieder beschäftigt sind, um rechtzeitig den eigenen Beitrag einbringen zu können. Agilität muss im Team gelebt werden. Scrum birgt viele Chancen, aber auch Herausforderungen gleichermaßen. Eine Herausforderung ist sicherlich, die Methodik auf die eigenen Projekt- und Teambedürfnisse anzupassen, damit neben der strikten Abfolge von Meetings und den gefühlt knappen Timeboxes genügend Zeit für ein kreatives Miteinander bleibt.